Kraken-Mutter Payward beantragt OCC-Trust-Charter: Ein strategischer Schritt für die Krypto-Regulierung in den USA

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Kraken-Muttergesellschaft Payward stellt OCC-Antrag – folgt Ripple und Coinbase

Payward, die Muttergesellschaft der bekannten Kryptobörse Kraken, hat einen bedeutenden Schritt in Richtung institutioneller Regulierung unternommen. Das Unternehmen hat einen Antrag bei der US-Wertpapieraufsicht Office of the Comptroller of the Currency (OCC) auf Erteilung einer bundesstaatlichen Trust-Charter eingereicht. Dabei soll die künftige Einheit unter dem Namen Payward National Trust Company (PNTC) operieren. Mit diesem Antrag reiht sich Payward in die Reihe großer US-Krypto-Player wie Ripple und Coinbase ein, die bereits ähnliche Genehmigungen beantragt haben.

Ein struktureller Trend im US-Kryptomarkt

In den vergangenen Monaten haben drei der wichtigsten Akteure im US-Kryptomarkt denselben regulatorischen Weg gewählt, was einen klaren Trend zur Anpassung institutioneller Infrastrukturen an föderale Aufsichtsmechanismen signalisiert. Diese Entwicklung war vorhersehbar, gibt sie doch den Unternehmen die Möglichkeit, unter bundesweit einheitlichen Bedingungen verwahrende Dienstleistungen anzubieten, ohne aufwendig einzelne Lizenzen in jedem Bundesstaat beantragen zu müssen.

Was bedeutet die OCC-Trust-Charter?

Die beantragte nationale Trust-Charter erlaubt es PNTC, treuhänderische Verwahrungsdienstleistungen für Kryptowährungen in allen 50 Bundesstaaten der USA anzubieten. Diese Zulassung ist gerade für institutionelle Anleger von enormer Bedeutung, da diese häufig gesetzlich vorgeschriebene "Qualified Custodians" benötigen, die den strengen Treuhandanforderungen entsprechen. Anders als eine Vollbank wird die PNTC ausdrücklich keine Einlagen annehmen oder Kredite vergeben. Ihr Kerngeschäft soll ausschließlich in der sicheren Verwahrung digitaler Vermögenswerte liegen.

Interessant ist der Unterschied zu Kraken Financial, das 2020 als Special Purpose Depository Institution (SPDI) im Bundesstaat Wyoming gegründet wurde und 2023 einen Federal Reserve Master Account erhalten hat. Beide Einheiten – Kraken Financial und die geplante PNTC – sollen künftig parallel unter einer gemeinsamen Infrastruktur betrieben werden. Dabei dient Kraken Financial vor allem dem Banking auf Bundesstaatsebene, während PNTC als föderale Entity den Custody-Service übernimmt.

Zeitplan und Perspektiven

Bisher hat Payward keine Details zur Kapitalausstattung, der Personalplanung oder einem konkreten Zeitrahmen für den OCC-Antrag veröffentlicht. Basierend auf früheren Erfahrungen, etwa mit Anchorage Digital, dem ersten Unternehmen, das 2021 eine vergleichbare OCC-Charter erhielt, ist eine Genehmigungsdauer von sechs bis zwölf Monaten realistisch. Sollte der Antrag bis Ende 2026 oder Anfang 2027 genehmigt werden, könnte dies zeitlich mit Paywards angestrebtem Börsengang kollidieren oder diesen stark begünstigen.

Strategischer Kontext und Marktstellung

Paywards Antrag ist keine Einzelerscheinung, sondern steht im Kontext einer sich strukturierenden regulatorischen Landschaft in den USA. Ripple und Coinbase leisten diesen Schritt bereits seit einiger Zeit – mit dem veränderten regulatorischen Umfeld und klareren Vorgaben. Für Payward ist die Errichtung einer bundesweit anerkannten Custody-Infrastruktur ein strategischer Baustein. Derzeit befindet sich das Unternehmen etwa 80 Prozent auf dem Weg zu einem geplanten Börsengang in 2027. Co-CEO Arjun Sethi betonte, dass digitale Vermögenswerte am besten unter klarer und transparenter Aufsicht gedeihen, was auf die Förderung institutioneller Investoren und IPO-Unterstützer abzielt.

Auch im Zuge von Übernahmen wie der von Bitnomial im April 2026 und der geplanten Integration von Reap baut Payward sein Angebot an regulierten Derivaten, tokenisierten Aktien und Indexprodukten kontinuierlich aus. Die PNTC soll in diesem Portfolio als federale Verwahrungsinfrastruktur fungieren – ein logischer und strategisch sinnvoller Ausbau.

Bedeutung für internationale Investoren

Während in Europa mit MiCA (Markets in Crypto-Assets Regulation) eine Harmonisierung der Krypto-Regulierung vorangetrieben wird, etablieren sich in den USA föderale Bankencharter als Maßstab für digitale Assets. Die Bank of England warnte bereits vor regulatorischen Asymmetrien zwischen den USA und Europa, die zu strukturellen Kapitalverschiebungen führen könnten. Das OCC-Antragsverfahren von Payward spiegelt diese Divergenz wider und könnte die Wettbewerbslandschaft international beeinflussen.

Risiken und Herausforderungen

Trotz aller Chancen birgt die Bewerbung um eine OCC-Trust-Charter auch Unsicherheiten. Die Genehmigung ist nicht garantiert, da die Behörde strenge Anforderungen an Kapitalisierung, Governance und Risikomanagement stellt. Bislang hat Payward keine Details zu diesen Aspekten veröffentlicht. Zudem könnte ein politischer Wechsel oder eine neue Führungsriege bei der OCC den Prozess verzögern oder die Priorität verändern.

Weiterhin stellt sich die Frage des Wettbewerbsvorteils gegenüber etablierten Anbietern wie Coinbase Custody. Paywards Vorteil liegt vor allem in der Kombination aus einem Fed-Master-Account bei Kraken Financial und dem speziellen SPDI- plus OCC-Charter-Modell. Ob dies institutionelle Anleger überzeugt, bleibt abzuwarten.

Ausblick – Ein prägender Schritt für die Branche

Ob die OCC das Mandat Ende 2026 oder Anfang 2027 erteilt, wird maßgeblich dafür sein, wie sich Paywards Börsengang und Marktposition entwickeln. Ein positives Votum könnte die Bewertung des Unternehmens erheblich steigern, indem die Firma von einer reinen Kryptobörse hin zu einer föderierten Finanzinfrastruktur für digitale Assets transformiert wird.

Darüber hinaus bleibt spannend, ob weitere große Marktteilnehmer wie Gemini oder Paxos nachziehen und ebenfalls OCC-Charters beantragen. Die Branche scheint sich klar in Richtung föderaler Bankenaufsicht zu bewegen – ein möglicher neuer Standard für Krypto-Finanzdienstleistungen in den USA.


Autor: Steffen Bösweich, Kryptoredakteur bei Cryptonews DE
Datum: Mai 11, 2026


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